Der Brief liegt seit drei Wochen auf der Kommode. Zwischen Urlaubskarte, Steuerbescheid und einem Prospekt vom Baumarkt. Absender: dein Stromversorger. Du weißt ungefähr, was drinsteht, und genau deshalb hast du ihn noch nicht aufgemacht. Kennst du das? Dann bist du in guter Gesellschaft – und du verpasst gerade etwas. Denn bei Strom und Gas ist in den letzten Wochen einiges passiert, und zum ersten Mal seit Langem ist ein Teil davon eine richtig gute Nachricht. Hier kommen die fünf Entwicklungen, die für deinen Geldbeutel zählen, ohne Panik und ohne Fachchinesisch.

Kurz gesagt

  • Strom ist für Neukunden so günstig wie seit Jahren nicht – wer im alten Vertrag oder in der Grundversorgung hängt, zahlt bis zu 260 Euro im Jahr zu viel.
  • Gas läuft in die andere Richtung: Der Nahost-Konflikt hat neue Gastarife spürbar verteuert. Eine Preisgarantie ist dieses Jahr wichtiger als der letzte Zehntelcent.
  • Der Netzentgelt-Zuschuss des Bundes bringt im Schnitt deutlich weniger als die versprochenen 100 Euro – und viele Versorger drehen still am Grundpreis.

1. Strom: günstig wie lange nicht – aber nur für die, die fragen

Fangen wir mit dem Erfreulichen an. Strom-Report beziffert den durchschnittlichen Neukundenpreis im August 2026 auf 24,5 Cent pro Kilowattstunde – rund 10,3 Prozent weniger als im August 2025, als noch 27,3 Cent fällig waren. Klingt erst mal abstrakt. Konkret wird es, wenn man danebenlegt, was Bestandskunden zahlen: im Schnitt 31,1 Cent pro Kilowattstunde, eine Familie mit 4.000 kWh landet damit bei 1.244 Euro im Jahr.

Und die Grundversorgung? Die ist der eigentliche Kostenfresser. Im Schnitt kostet Strom dort 40,37 Cent pro Kilowattstunde, ein Haushalt mit 3.500 kWh zahlt 1.412,91 Euro im Jahr – rund 36 Prozent mehr als im günstigsten Alternativtarif. Das ist kein Tippfehler. Das ist der Preis dafür, dass man nie etwas unterschrieben hat.

260 Euro im Jahr. So viel bringt ein Anbieterwechsel Stromkunden aus Bestandsverträgen im August 2026 im Schnitt – 20,9 Prozent, gerechnet auf 4.000 kWh Verbrauch. Das ist ein Wochenendtrip für die ganze Familie, für 15 Minuten Arbeit.

Muss man jetzt etwas tun? Ja, aber nichts Dramatisches. Einmal nachschauen, was du gerade zahlst, und das mit den aktuellen Tarifen abgleichen. Genau dafür kannst du hier deine Ersparnis berechnen: Postleitzahl, Verbrauch, fertig.

2. Gas läuft in die andere Richtung – und das hat einen Grund

Beim Gas sieht die Lage anders aus, und das ehrlich zu sagen gehört dazu. Infolge des Iran-Kriegs sind die Gaspreise vorübergehend gestiegen; in mehreren Ländern des Nahen Ostens wurde Gasinfrastruktur beschädigt, und zeitweise passierten nur wenige Schiffe die Straße von Hormus. Neue Gasverträge sind seit Anfang März in allen Bundesländern deutlich teurer geworden – ein durchschnittlicher Haushalt zahlt rund 300 Euro mehr.

Jetzt der Teil, der dich beruhigen darf: Eine physische Gasmangellage besteht in Deutschland laut BDEW derzeit nicht, die Versorgung ist gesichert und die Importe sind breiter diversifiziert als während der Energiekrise 2022. Es geht also nicht um kalte Wohnungen, sondern um Preise. Und die sind trotz allem im Vergleich zur Grundversorgung noch günstig: Die günstigsten von Finanztip empfohlenen Neukundentarife mit zwölf Monaten Preisgarantie lagen am 11. August 2026 bei 11,53 Cent pro Kilowattstunde, während Haushalte in der Gas-Grundversorgung im August 2026 durchschnittlich 13,6 Cent zahlen und ein Wechsel die Gasrechnung um bis zu 37 Prozent senken kann.

Meine Meinung dazu, ganz unverblümt: In einem volatilen Jahr wie diesem ist eine ordentliche Preisgarantie mehr wert als der allerletzte Zehntelcent. Wer sich jetzt für zwölf Monate absichert, schläft im Winter ruhiger – egal, was in der Straße von Hormus passiert.

Fünf Meldungen, eine Frage: Was heißt das für deinen Vertrag? Wir rechnen das für dich durch, kündigen beim alten Anbieter, melden dich beim neuen an und prüfen jedes Jahr automatisch nach – kostenlos, du gibst nur dein Go.

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3. Der Netzentgelt-Zuschuss: 6,5 Milliarden, und kaum einer merkt was

Erinnerst du dich an die Schlagzeile zum Jahreswechsel? Mit 6,5 Milliarden Euro Bundeszuschuss zu den Netzentgelten sollten alle Verbraucher 2026 entlastet werden – für einen Haushalt mit 3.500 kWh rechnerisch rund 100 Euro, so die Bundesregierung.

Die Realität fällt nüchterner aus. Eine Auswertung des Verbraucherzentrale Bundesverbands zeigt: Während Haushalte in einigen Regionen nur etwa 18 Euro sparen, sinken die Kosten anderswo um über 100 Euro, in Einzelfällen steigen sie sogar – bundesweit liegt die Entlastung bei etwa 56 Euro. Der Grund ist unspektakulär: Die regionalen Verteilnetzentgelte, die für dich meist den größten Teil ausmachen, werden vom Bundeszuschuss gar nicht entlastet.

Was heißt das für dich? Dass staatliche Entlastung nett ist, der Hebel aber woanders liegt. 56 Euro vom Staat gegen 260 Euro durch einen Tarifwechsel – das ist kein fairer Kampf.

4. CO₂-Preis, Gasnetzentgelte, Speicherumlage: die Rechnung unterm Strich

Beim CO₂-Preis hat 2026 ein Systemwechsel stattgefunden, und der wirkt jetzt langsam durch. Statt eines gesetzlich festgelegten Preises – zuletzt 55 Euro je Tonne – bildet sich der CO₂-Preis nun über den Zertifikatehandel in einer Spanne zwischen 55 und 65 Euro je Tonne. Für Gas bedeutet das: Die CO₂-Kosten steigen auf bis zu 1,55 Cent pro Kilowattstunde. Eine vierköpfige Familie mit 20.000 kWh zahlt 2026 zwischen 242 und 286 Euro CO₂-Abgabe.

Dazu kommen zwei gegenläufige Posten, die co2online aufgeschlüsselt hat: Die Gasspeicherumlage von 0,35 Cent pro kWh ist weggefallen, das spart bei 20.000 kWh rund 70 Euro. Gleichzeitig steigen in vielen Regionen die Gasnetzentgelte um durchschnittlich 0,28 Cent pro kWh – etwa 55 Euro im Jahr. Ein Nullsummenspiel mit leichter Schlagseite nach oben, je nach Netzgebiet.

Ehrlich gesagt: Diese Posten kannst du nicht beeinflussen. Deinen Arbeitspreis schon. Und der macht am Ende den Unterschied.

5. Der stille Trick mit dem Grundpreis

Und jetzt die Meldung, die keine Schlagzeile bekommen hat, dich aber am ehesten betrifft. Viele Versorger senken 2026 den Arbeitspreis pro Kilowattstunde – drehen dafür aber gleichzeitig am Grundpreis nach oben, was besonders Haushalte mit niedrigem Verbrauch deutlich spüren. Auf dem Brief steht dann sinngemäß „Wir senken Ihre Preise“. Auf der Jahresrechnung steht etwas anderes.

Die Bundesnetzagentur nennt die typischen Warnzeichen für eine versteckte Preiserhöhung: Das Schreiben ist als Werbeflyer getarnt, der Betreff gibt keinen Hinweis auf eine Vertragsänderung, ein Sonderkündigungsrecht wird nicht erwähnt, und statt von einer Preiserhöhung zu sprechen, wird sie umschrieben.

Sechs Wochen Vorwarnzeit – und ein Ausstiegsticket. Bei einer Preiserhöhung hast du ein Sonderkündigungsrecht und kannst außerordentlich kündigen, auch wenn die Laufzeit noch nicht abgelaufen ist; der Anbieter muss dich mindestens sechs Wochen vorher informieren.

Deshalb: Brief aufmachen. Auch den, der wie Werbung aussieht. Und wenn du keine Lust hast, jedes Jahr auf Fristen zu achten, Tarife zu vergleichen und Kündigungen zu schreiben – genau das übernimmt unser Wechselservice für dich. Kostenlos, du gibst einmal dein Go, das Team erledigt Kündigung, Anmeldung und Terminüberwachung und prüft jedes Jahr automatisch nach, ob dein Tarif noch der beste ist. Du gibst einmal deine Eckdaten durch, den Rest übernehmen wir.

Fazit: Ein guter Zeitpunkt, ehrlich

Die Nachrichtenlage im August 2026 ist widersprüchlich, aber nicht bedrohlich. Strom ist billiger geworden, Gas teurer, der Staat hilft weniger als angekündigt, und einige Versorger nutzen die Unübersichtlichkeit. Unterm Strich heißt das: Wer nichts tut, zahlt gerade besonders viel drauf. Wer eine Viertelstunde investiert, sichert sich Preise, die es so seit Jahren nicht gab.

Und übrigens: Verträge, die seit dem 1. März 2022 geschlossen wurden, sind nach Ablauf der Erstlaufzeit monatlich kündbar, in der Grundversorgung kannst du sogar jederzeit mit zwei Wochen Frist raus. Die Ausrede „Ich hänge da eh fest“ zieht also fast nie. Schau nach, was drin ist – Strom- und Gastarife vergleichen dauert kürzer, als der Brief schon auf der Kommode liegt.

Häufige Fragen

Warten hilft nur, wenn du weißt, dass die Preise fallen – und das weiß gerade niemand. Die Großhandelspreise haben sich gegenüber März 2026 zwar entspannt, bleiben aber volatil. Wer aus der Grundversorgung kommt, spart praktisch immer sofort. Wer schon einen günstigen Tarif hat, achtet vor allem auf eine belastbare Preisgarantie über den Winter.
Vergleiche nicht nur den Arbeitspreis, sondern auch den Grundpreis mit deiner letzten Rechnung. Sinkt der eine und steigt der andere, rechne beides auf deinen Jahresverbrauch hoch. Versorger müssen die Preisbestandteile in alter und neuer Höhe gegenüberstellen, damit du erkennst, was sich wie entwickelt. Fehlt das, ist Misstrauen angebracht.
Ja. Der Bundeszuschuss wird von den Netzbetreibern in die Netzentgelte 2026 eingerechnet und erreicht dich über deinen Stromlieferanten. Du musst nichts beantragen. Wie viel bei dir ankommt, hängt allerdings stark von deinem Netzgebiet ab – und ersetzt keinen guten Tarif.